Die Sozialversicherung in der Nachkriegszeit

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Sozialstaat bis in die Mitte der 1970er Jahre immer weiter ausgebaut und ausdifferenziert. Die Entwicklung einzelner Bereiche der Sozialversicherung wird anhand der Beispiele Rentenversicherung und Krankenversicherung deutlich. Dabei war besonders die Situation der Rentner sowohl im Osten als auch im Westen nach Kriegsende schlecht. Die Wirtschaftskraft war zerstört und dies spülte immer weniger Beitragszahlungen in die Rentenkassen. Neben den finanziellen Problemen der Rentenversicherer und einer weit verbreiteten Altersarmut belasteten auch gekürzte Rentenbeiträge Pensionäre stark.

Im Osten: Niedrige Renten nach Kriegsende

Sowohl in der sowjetischen Besatzungszone als auch später in der DDR blieben die Rentenzahlungen sehr gering. Dabei konnten Männer ab dem 65. Lebensjahr eine Altersrente beanspruchen, während bei Frauen die Altersgrenze bei 60 Jahren lag. Die Altersrente setzte sich aus einem monatlichen Grundbetrag, einem Steigerungsbetrag in Höhe von einem Prozent und verschiedenen Zuschlägen zusammen. Für Personen mit kurzen Versicherungszeiten oder geringem Einkommen gab es eine sogenannte Mindestrente. Jedoch waren die Renten im Osten, ähnlich wie im Westen, nach Kriegsende sehr niedrig. Erst nach der Gründung der DDR im Jahr 1949 gab es eine erste Erhöhung der Renten. Die Einführung von freiwilligen Zusatzrentenversicherungen und Sonderversorgungssystemen führte lediglich zu einer leichten Differenzierung.

Bundesrepublik Deutschland: Auch im Westen niedrige Renten

In der Westzone und später in der Bundesrepublik Deutschland wurde die Sozialversicherung nach dem Modell der Weimarer Republik weitestgehend übernommen. Dies hatte zur Folge, dass die Rentenversicherung für Arbeiter und Angestellte getrennt wurde. Aber auch hier waren die Rentenzahlungen nach Kriegsende sehr niedrig. Neben der schlechten Wirtschaftslage kam noch die Währungsreform im Jahr 1948 erschwerend hinzu.

Der darauffolgende wirtschaftliche Aufschwung in den 1950er und 1960er Jahren brachte eine zunehmende Lohnerhöhung. Da die gesetzliche Rente jedoch nicht an die Wirtschaftsentwicklung gekoppelt war, blieb die Rente weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Schere zwischen Renten und Löhnen ging weiter auseinander.

Rentenreform im Jahr 1957: Rentner profitieren von der Wohlstandsentwicklung

Mit der großen Rentenreform im Jahr 1957 kam es zu einer grundlegenden Veränderung der Rentenversicherung. Ziel der Reform war es, den Lebensstandard der Beitragszahler während des Ruhestands zu sichern und entsprechend seiner gesellschaftlichen Position zu gewährleisten. Neben sprachlichen Änderungen wie dem Begriffswechsel von Invalidenversicherung zur Arbeiterrentenversicherung kam es zu weiteren Neuerungen durch die Reform. „Den entscheidenden Schritt brachte die Dynamisierung der Rentenzahlungen durch die bruttolohnbezogene Rente.“ Dabei wurde das Kapitaldeckungsverfahren vom Umlageverfahren abgelöst und brachte eine Rentenerhöhung von 60 Prozent ein.

Krankenversicherung: Wichtige Reform in den 70er Jahren

In den 70er Jahren stand auch in der Krankenversicherung, dem ältesten Zweig der Sozialversicherung, eine Reform an. Aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs wurden unter anderem das Leistungsverbesserungsgesetz und das Rehabilitationsgesetz (1974) eingeführt. Zusätzlich wurde der Kreis der Versicherten um Behinderte in geschützten Einrichtungen, Künstler und Publizisten, selbständige Landwirte und Studenten erweitert. Aufgrunddessen stiegen automatisch die Ausgaben der Versicherungen, daher sollte das sogenannte Kostendämpfungsgesetz von 1977 bis 1983 den Ausgaben entgegenwirken.

Jedoch war diese Maßnahme nur kurzfristig wirksam. Unter dem Druck der Kostenentwicklung war das Gesundheits-Reformgesetz im Jahr 1989 zwingend notwendig. Vor der Wiedervereinigung war dies die letzte große Reform in der Bundesrepublik Deutschland. Erst nach dem Fall der Mauer im Jahr 1991 kam eine neue große Herausforderung auf die Krankenkassen zu. Durch den Einigungsvertrag vom 1. Januar 1991 galt nun auch im Osten das bundesdeutsche Krankenversicherungsrecht.