Sozialversicherung: Arbeitnehmern drohen Abzüge von über 50 Prozent

Der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums hat berechnet, wie sich die Sozialversicherungsbeiträge in den nächsten 25 Jahren entwickeln könnten – mit verheerendem Ergebnis. Die Forscher geben an, dass die Abgaben bis 2030 möglicherweise um mehr als zehn Prozent steigen. Dann benötigen Arbeitnehmer rund die Hälfte des monatlichen Einkommens für Sozialbeiträge. Besonders bei der Renten- und Krankenversicherung können die Beiträge auf jeweils bis zu 20 Prozent steigen. Zusammen mit den Zahlungen für die Pflege-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung kann so schnell jeder zweite Euro vom Gehalt abgezogen werden.

Wie verteilen sich die Beiträge zur Sozialversicherung?

Die Einzahlungen in die Sozialversicherung verteilen sich auf die gesetzliche Krankenversicherung, die Rentenversicherung, die gesetzliche Unfallversicherung, die Arbeitslosenversicherung und die Pflegeversicherung. Derzeit betragen sie rund 40 Prozent des Bruttoeinkommens. Der Höchststand wurde im Jahr 1998 erreicht, als die Abgaben bei 42 Prozent lagen. Zugleich gab es in Deutschland etwa vier Millionen Arbeitslose. Seither verfolgt die Regierung das Ziel, die Beiträge bei 40 Prozent zu halten. Doch die Berechnungen des Wissenschaftlichen Beirats zeigen eine steigende Tendenz.

Steigende Sozialabgaben: Höchster Anteil für Krankenkassenbeiträge

Für das Jahr 2040 ermitteln die Wissenschaftler sogar einen Krankenkassenbeitrag von circa 24,5 Prozent. Dabei berücksichtigen sie unter anderem, wie sich die Löhne künftig entwickeln, welche Beschäftigungszahlen es geben könnte und wie hoch die Ausgaben der jeweiligen Kassen sind. Da dies für die gesetzlichen Krankenkassen allerdings nur schwer vorherzusagen ist, variieren die Prognosen stark. Die Bevölkerung wird jedoch immer älter und der medizinische Fortschritt teurer, wodurch grundsätzlich mit einem Anstieg der Krankenkassenbeiträge zu rechnen ist. Nach Angaben des Beirats können pauschale Beiträge, die nicht an den Lohn gebunden sind, dem entgegenwirken.

Düstere Aussichten auch bei der Rentenversicherung

Im Bereich der Rentenversicherung ergibt sich für 2040 ein Beitragssatz von 23,5 Prozent. Dieser liegt über Prognosen des Bundesarbeitsministeriums, das von 23,4 Prozent im Jahr 2045 spricht. Um hier gegenzusteuern, raten die Forscher des Wirtschaftsministeriums von einer Erhöhung des Rentenniveaus ab. Denn dadurch könnten die Beiträge noch weiter steigen. Der Beirat schlägt vor, das Renteneintrittsalter künftig an die Lebenserwartung zu koppeln. Ein festes Rentenniveau sei „keine wirksame Antwort auf das vieldiskutierte Problem der Altersarmut“.