Die gesetzlichen Krankenkassen und die private Krankenvoll- und Krankenzusatzversicherung

In Deutschland herrscht eine allgemeine Krankenversicherungspflicht. Das heißt, dass sich jeder Bürger in einer Krankenversicherung vor anfallenden Behandlungskosten schützen muss. Das gilt für Arbeitnehmer und Selbständige genauso wie für Kinder, Hausfrauen oder Rentner. Allerdings gibt es in der Bundesrepublik ein duales System bestehend aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Hinzu kommt die Krankenzusatzversicherung als Ergänzung zum jeweiligen Schutz.

Geschichte der Krankenversicherungen in Deutschland

Die Geschichte der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung in Deutschland verläuft größtenteils parallel. Mit der Einführung des „Gesetzes betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter“ im Jahr 1883 wurde der Grundstein für die gesetzlichen Krankenkassen gelegt. Allerdings galt die nun neue Versicherungspflicht nur für bestimmte Personengruppen. Wer sich dennoch absichern wollte, konnte das bereits damals bei privaten Versicherern. Im Zuge verschiedener Reformen im Sozialversicherungsrecht gewannen die gesetzlichen und die private Krankenversicherung (sowohl als Voll- als auch Zusatzversicherung) in den folgenden Jahrzehnten immer mehr an Bedeutung. Jedoch brach die private Krankenversicherung nach dem 2. Weltkrieg vollständig zusammen und musste neu aufgebaut werden. Nun gab es auch neue verbindliche Regelungen, wie die Versicherungspflichtgrenze und später die Öffnung vieler gesetzlicher Krankenkassen, wodurch sich die Versicherungslandschaft allmählich hin zur heutigen Gestaltung veränderte.

Gesetzliche und private Krankenversicherung

Der Großteil der deutschen Bevölkerung ist in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Nur Selbständige, Freiberufler und Studenten sowie Arbeitnehmer mit einem Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze können sich alternativ in der privaten Krankenversicherung (PKV) versichern. Diese hat einen einkommensunabhängigen Versicherungsbeitrag und bietet vertraglich vereinbarte Leistungen, die sich von Tarif zu Tarif unterscheiden können. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung bemisst sich der Versicherungsbeitrag am Einkommen und die Leistungen sind gesetzlich vorgeschrieben. Dadurch kommen Privatversicherte in vielen Bereichen in den Genuss zusätzlicher Leistungen. Wer als Kassenpatient auch einen erweiterten Krankenversicherungsschutz (zum Beispiel für Zahnersatz) haben möchte, kann eine Krankenzusatzversicherung bei einem privaten Anbieter abschließen.

Vor- und Nachteile der Systeme

Als Hauptargument für die private Krankenversicherung gelten die umfangreichen Leistungen, die je nach Versicherungstarif zur Verfügung stehen. Allerdings steigen bei der PKV mit steigendem Alter die Beiträge, zudem ist keine kostenlose Familienmitversicherung wie bei der gesetzlichen Krankenkasse möglich. Eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ist für privat Versicherte nicht ohne weiteres möglich. Daher sollte vor einem Wechsel in die PKV die persönliche Einkommenssituation genau überprüft werden. Wer sich als Kassenpatient unsicher ist, ob die private Krankenvollversicherung sinnvoll ist, sollte sich von einem Experten beraten lassen und gegebenenfalls eine Krankenzusatzversicherung als Alternative in Erwägung ziehen.